Glückliche Beziehungen

13. Januar 2020

Glückliche Beziehungen 

Was macht eine glückliche Beziehung aus? 

Wie machen das einige Paare, dass sie 20/30/40 Jahre und länger glücklich miteinander leben? Was hält Paare zusammen und was trennt sie? 

Beziehungen zu leben ist für die meisten Menschen eine große Herausforderung. Gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit, in unserer Gesellschaft, die von Wohlstand, Konsum und Leistung geprägt ist, gibt es gehäufter Krisen in Beziehungen und auch gehäufter Trennungen. Statt sich die eigenen Themen mutig und ehrlich anzuschauen, scheint es für viele Menschen leichter zu sein den Schlussstrich zu ziehen und sich nach etwas Neuem umzusehen, das verspricht besser zu sein. Doch meistens kehren auch in der neuen Beziehung die alten Themen zurück, die bis dahin noch nicht angesehen wurden. 

Wir leben alle in Beziehungen. Unsere Themen, Probleme und Krisen darin, spiegeln ein Stück von uns selbst, ob wir das nun begreifen wollen oder nicht. Wir können es als Chance nutzen, um uns dadurch besser kennenzulernen und uns mehr mit uns selbst zu verbinden. 

Wer sagt denn, dass Beziehungen glücklich und harmonisch ablaufen müssen, oder, dass sie ewig halten sollten? Beziehungen sind nicht dazu da uns glücklich oder vollkommen zu machen. Wer das glaubt wird lange dafür kämpfen und am Ende resignieren mit dem Eingeständnis beziehungsunfähig zu sein. Doch Beziehungsunfähigkeit gibt es für mich nicht. Wir haben alle mehr oder weniger unsere Probleme in Beziehungen. Es geht auch nicht darum irgendwann keine Probleme oder Krisen mehr in Beziehung zu haben. Das wird nicht eintreffen. Warum nutzen wir sie nicht einfach, um uns selbst darin zu nähern und uns mehr kennenzulernen, mit all unseren Wünschen, Abneigungen, Sehnsüchten und Werten? 

Unser Partner zeigt uns immer wieder eigene Anteile, die wir noch nicht kennen, die wir an uns selbst ablehnen. Es stört Sie an ihrem Partner, dass er einfach sein Ding macht, dass er lebt worauf er Lust hat? Dann sind Sie in ihrem Leben vielleicht jemand, der eher viel für andere macht, sich selbst dabei zurücknimmt und überhaupt viel zu viel Rücksicht nimmt? Ein Stück mehr Rücksichtslosigkeit und dafür einmal mehr an sich selbst denken und sich etwas Gutes tun, würde Ihnen wahrscheinlich gut stehen. Statt es nur als störend beim anderen zu sehen, könnten Sie versuchen ein wenig mehr davon in ihr eigenes Leben zu integrieren. Wahrscheinlich wird es sie dann am Partner nicht mehr so stören und gleichzeitig kommt es ihrem Sein zugute. 

Was hält Paare zusammen? Um gemeinsam durchs Leben zu gehen braucht es eine offene und klare Kommunikation. Dazu gehört Reden, wie natürlich auch wirkliches Zuhören. Es gibt in jeder Beziehung sicherlich viele Gemeinsamkeiten, aber auch ein paar Verschiedenheiten. Wird darüber nicht offen gesprochen entstehen gehäuft Konflikte, die früher oder später trennend wirken.

Ich habe kürzlich ein älteres Paar während einer Fahrt mit der Bahn, beobachtet. Er nahm immer wieder ihre Hand und streichelte sie leicht. Dankbarkeit und Liebe war zwischen ihnen zu spüren.

Wie ist die Formel für so eine Beziehung? Ich meine gegenseitige Wertschätzung, Dankbarkeit und Toleranz spielen dabei eine große Rolle. Aber was ich noch wichtiger finde, Glück und Zufriedenheit nicht vom Partner zu erwarten, sondern die Verantwortung dafür in die eigenen Hände zu nehmen. Wie oft höre ich Vorwürfe von Paaren. „Du bist für mich nicht da. Du verstehst mich nicht. Du liebst mich nicht genug. Du nimmst mich nicht ernst.“ Sicherlich gibt es auch solche realen Schwächen am Partner. Aber die Gefühle wurzeln tiefer und kommen aus einer viel früheren Not. Es sind kindliche Gefühle, unerfüllte Bedürfnisse aus frühen Tagen. Der Partner ist dafür wenig verantwortlich. Deshalb ist es wichtig mehr auf die eigene Seite zu schauen. Selbstreflexion ist ein wichtiger Begriff dafür. Wo habe ich große, unerfüllte Bedürfnisse, für die ich meinen Partner verantwortlich mache? Sollte ich mich vielleicht selbst ernster nehmen, mich selbst mehr annehmen und lieben lernen, mich selbst besser spüren und verstehen? Wo müsste ich mein Leben verändern, um selbst, unabhängig vom Partner, mehr Zufriedenheit zu erlangen? 

Vier wichtige Elemente, die zu einer intensiven und interessanten Beziehung führen, habe ich in diesem Artikel genannt. Hier noch einmal kurz zusammengefasst:

  • Das Störende am Partner ist gleichzeitig ein unbewusster, nicht gelebter Anteil von Ihnen selbst. Es ist wichtig diesen zu entdecken und mehr in das eigene Leben zu integrieren.
  • Eine klare und offene Kommunikation wirkt Wunder in einer Beziehung. Erst wenn Sie sich mit ihren Gefühlen, Wünschen und auch ihren Ängsten ganz zeigen, kann wirkliche Beziehung entstehen.
  • Dankbarkeit, Wertschätzung und Toleranz, dem Partner gegenüber, spielen eine große Rolle. Schauen Sie sich öfters an, was alles gut und wertvoll an Ihrem Partner ist, was Sie schätzen.
  • Selbstreflexion bringt Sie zu sich selbst zurück. Ihre Sehnsüchte werden dadurch nicht mehr auf ihren Partner projiziert. Sie übernehmen die Verantwortung für all ihre unerfüllten Bedürfnisse aus der Kindheit wieder selbst und beginnen für sich zu sorgen. 

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"Es ist leichter Probleme zu lösen, als mit ihnen zu leben."

Teilhard de Chardin