Freiheit und Selbstbestimmung

10. August 2020

Die Themen Freiheit und Selbstbestimmung bestehen seit Urzeiten und sind noch immer aktuell. Menschen kämpfen für ihre Freiheit und und ihre Selbstbestimmung. Wie viel davon habe ich wirklich? Wie viel benötige ich in meinem Leben, um mich gut zu fühlen und glücklich zu sein? Wie viel davon kann ich mir erlauben, ohne einsam und allein dazustehen?

In der Geschichte der Menschheit gibt es unzählige Kämpfe um dieses Recht, in der aktuellen Zeit (Corona) ebenfalls. Es gibt die Faktoren im Außen, denen wir uns anpassen sollten, müssen oder können. Diese Faktoren erscheinen oft machtvoll und zwingen uns regelrecht. Andere stellen uns vor die Wahl. Um ein bestimmtes Ziel zu erreichen müssen wir uns dann entscheiden, Freiheit oder Anpassung? Jede Entscheidung ist mit einer gewissen Konsequenz verbunden, der wir uns klar sein sollten und die wir in Kauf nehmen müssen. Das macht Entscheidungen oft sehr schwer. Fühlt es sich dann noch frei an oder fühlen wir uns schon eher gezwungen?

Wir alle leben in Beziehungen, zu anderen Menschen, zur Natur, zur Gesellschaft, Gruppen, Institutionen und zu Gott. Jedes Handeln, jede Entscheidung und Aktivität führt zu einer Reaktion im Gegenüber. Ist diese friedvoll, uns zugewandt oder ablehnend und verteidigend? Wir ahnen es natürlich, da wir in unserem Leben aus so manchen Situationen Erfahrungen gesammelt haben. Welche Art des Handelns führt bei meinem Gegenüber zu welcher Reaktion? Hier beginnen Unfreiheit und Fremdbestimmung.

Die Gesellschaft fordert ein gewisses Maß an Anpassung und Konformität. Sie ist eine Art Körper, der nur funktionieren kann, wenn ein Fließgleichgewicht, ein Miteinander und Füreinander entstehen. Allerdings werden Rang und Rollen oft ausgenutzt und nicht zum Wohle der Gesellschaft und des Einzelnen eingesetzt. Für manche Menschen gleicht es einem Seiltanz, für andere erscheint es unerreichbar, in einer Gesellschaft zu leben, integriert zu sein und gleichzeitig frei in Entscheidungen und Wirken. Da stellt sich die Frage, wie gut ich mich mit dem Denken und den Idealen der Gruppe oder der Gesellschaft identifizieren kann. Wo gibt es Schnittpunkte oder Übereinstimmungen? Um so mehr Gleichnisse, um so freier fühle ich mich. Gibt es zu viele Unterschiede, wird sich der „Rang-Tiefere“ anpassen müssen oder bei Nichtanpassung sogar aus der Gruppe oder Gesellschaft entfernt.

Die tiefste Angst eines Menschen ist das Alleinsein, ausgestoßen zu sein. So lernen wir schon früh in der Kindheit, wie das zu verhindern ist, nämlich durch Anpassung und Aufgabe unserer Freiheit und Selbstbestimmung. Vielleicht waren unsere Eltern besonders zugewandt und liebevoll, wenn wir machten, was sie wollten oder es gab Strafe, wenn wir versuchten unseren Willen durchzusetzen. Kinder lernen schnell, wie sie sich verhalten müssen, damit vom Gegenüber ein positives und bejahendes Feedback kommt.

Als Erwachsene denken wir manchmal nach unserem freien Willen zu handeln und tun es doch nicht, wenn wir genauer hinsehen. Wir handeln nach gesellschaftlichen Werten, die uns beigebracht wurden. Ein sehr gutes Erkennungszeichen, wenn wir in der „Man-Form“ sprechen. „Man grüßt, wenn man seinen Nachbarn trifft!“ „Das Auto sollte man gerade in die Parklücke stellen!“ Aus den vielen Dingen, die „man“ tun oder lassen sollte entsteht, bis zum Erwachsensein, ein inneres Wertesystem. Dieses entspricht allerdings nicht unserem freien Willen. Die Angst des Kindes, nicht mehr geliebt zu werden, wird zur Angst des Erwachsenen, nicht mehr anerkannt zu werden.

Denken Sie ab und zu darüber nach, welche der Werte, die sie verfolgen und leben, sind wirklich ihre eigenen! Sie können es leicht prüfen, indem sie statt „man“ das Wort „Ich“ einsetzen. Stimmt dann ihre Aussage noch? Falls es nicht mehr stimmig ist, was möchten sie stattdessen und was hindert sie daran es zu leben?

Freiheit und Selbstbestimmung in der Paarbeziehung

Wo wird das Thema Freiheit und Selbstbestimmung in einer Paarbeziehung berührt? Was würde ich als Single leben und wie viel davon lebe ich noch in meiner Paarbeziehung? Wie viel von mir selbst gebe ich auf, um von meinem Partner geliebt und geschätzt zu werden?

Es gibt genügend Frauen, die ihr Studium nicht beenden oder ihren guten Job aufgeben, um sich der Familie zu widmen und dem Mann den Rücken frei zu halten. Später, wenn der Mann Karriere gemacht hat und die Kinder aus dem Haus sind, fallen diese Frauen in ein tiefes Loch der Depression, da sie bemerken, wie viel sie von sich selbst geopfert haben.

In Beziehung werden geliebte Hobbies aufgegeben, Freunde vernachlässigt und Werte über Bord geschmissen. Doch es fängt oft noch viel subtiler an, indem ein Mensch viele kleine Dinge „mitmacht“, die er in dem Moment nicht möchte. Sie möchten jetzt lesen und ihr Partner möchte lieber mit ihnen spazieren gehen. Geben sie dann gleich ihr Lesen auf? Sie wurden zu einer Party eingeladen, ihr Partner hat keine Lust, möchte aber auch nicht, dass sie allein gehen. Was tun sie? Gehen sie trotzdem und haben Spaß oder bleiben sie brav zuhause und ärgern sich später?

Wie selbstbestimmt und frei können Sie bleiben in ihrer Paarbeziehung? Was hindert sie daran, es nicht zu sein, sich klein zu machen und ständig anzupassen? Wie viel opfern sie von sich selbst, um Konflikten aus dem Weg zu gehen?

Die Angst nicht mehr passend zu sein, nicht geliebt und angenommen zu werden, den Partner sogar zu verlieren hindert uns daran selbstbestimmt in Beziehung zu bleiben. Unfrei und Fremdbestimmt zu leben macht früher oder später unzufrieden und führt ebenfalls zu Turbulenzen und Streit. Entweder sie sind unzufrieden, weil sie sich ständig anpassen und sich selbst viel zu sehr vergessen oder ihr Partner ist unzufrieden, da sie ihren eigenen Weg gehen und findet sie vielleicht wirklich nicht mehr passend. Auch hier haben sie die Wahl, ob sie (zu) viel von ihrem eigenen Leben opfern oder das Risiko eingehen, für den anderen unpassend zu sein. Wie heißt es so schön? „Zu jedem Topf gibt es einen Deckel.“ Nur sollte er auch wirklich passen.

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"Es ist leichter Probleme zu lösen, als mit ihnen zu leben."

Teilhard de Chardin