Wir brauchen eine neue Art der Beziehung!

3. Oktober 2020

„Erwachen in Beziehungen“

Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen in ihren Beziehungen erwachen. Oft sind es die Frauen, die Dinge und Verhaltensweisen in Frage stellen, die eingefahrene Beziehungen nicht mehr weiterleben wollen. Frauen leben mehr in und mit ihren Gefühlen. Sie bemerken oft zuerst, dass etwas nicht stimmig ist, fühlen sich unwohl, versuchen es zu ergründen und schließlich ins Gespräch zu bringen.

Dann beginnt es zu kriseln. Denn was einmal entdeckt und aufgedeckt wurde braucht seinen Raum, möchte angeschaut werden. Der Partner (Es kann natürlich auch anders herum sein, dass der Mann es aufdeckt und unzufrieden wird) sieht es lange Zeit nicht oder ignoriert es, um das bekannte, vertraute Muster nicht verlassen zu müssen. Doch nun wird er durch die Frau förmlich herausgefordert. Männer können sehr lange ihren alten Trott beibehalten und wundern sich, wieso die Frau schon wieder etwas zu meckern hat.

Die Frau beginnt die alten Rollen in Frage zu stellen und aufzubrechen. In stiller Vereinbarung haben sich beide zu Beginn der Beziehung angepasst. Denn wir gehen fast immer mit tiefen Sehnsüchten nach Sicherheit, Nähe, Liebe und gehalten werden Beziehungen ein. Ja wir wollen etwas haben. Wir suchen in Beziehungen nach der Erfüllung unserer unerfüllten Sehnsüchte aus der Kindheit. Die Partner werden später verantwortlich dafür gemacht, wenn wir es nicht im gewünschten Maße bekommen. Am Anfang der Beziehung fließt dieser süße Strom im Überfluss. Um ihn nicht versiegen zu lassen erfolgt Anpassung. Doch nach einer gewissen Zeit der Anpassung erfolgen daraus die Gefühle von Unfreiheit und Unzufriedenheit. Der Partner ist Schuld, dass es mir nicht gut geht und macht einfach viel zu viel falsch.

Keiner von beiden merkt, dass das nicht stimmt. Vorwürfe fliegen hin und her. Jeder fühlt sich in der Opfer Position und natürlich ist der Partner der Täter.

Jetzt darf und soll endlich eine neue Ära der Beziehungen beginnen, indem angefangen wird zu reflektieren. Doch dazu braucht es ein Erwachen. Es braucht den Schritt aus der Opferhaltung, die durch frühe Traumen in der Kindheit entsteht. Denn genau hier ist der wunde Punkt, an dem wir immer wieder getriggert werden und in die Gefühle des verletzten Kindes von damals abtauchen. Oft beginnt so immer mehr ein Aufschaukeln. Es fühlt sich an, als ob es immer schlimmer und am Ende unaufhaltbar wird. Statt aufzuwachen und hinzuschauen erfolgt meist die Trennung, um dann in der nächsten Beziehung mit identischen Problemen konfrontiert zu werden. Ich höre oft, dass es sich wie ein Dejavú anfühlt. Spätestens dann ist es doch Zeit zu erwachen und neue Wege zu gehen.

Im Moment bemerke ich in vielen Paarbeziehungen große Erschütterungen. Diese begrüße ich sehr, denn sie sind für jeden Einzelnen die Chance wieder mehr zu sich selbst und gemeinsam zu einer wirklich erfüllten Beziehung auf Augenhöhe zu finden. Beide dürfen anfangen sich selbst zu reflektieren und sich damit ein großes Stück näher kennenzulernen, mit allem, mit Ängsten, Wünschen, Erwartungen, Trauer und Schmerz etwas nicht erfüllt zu bekommen. Die eigenen Reaktionsmuster können erforscht werden.

Welche Sehnsüchte habe ich in der Kindheit nicht erfüllt bekommen? Wie reagiere ich, wenn ich es von meinem Partner erneut nicht bekomme, trotzig, Rückzug, Vorwurf? Wo sind die Verletzungsbereiche des Kindes von damals und durch welches Verhalten katapultiert mich mein Partner in den alten Schmerz? Diese und noch viel mehr Fragen führen zur Selbstreflexion und damit aus der Opferrolle heraus. Jetzt kann jeder bemerken, dass der Partner nicht für die eigenen Schmerz und die eigenen Verletzungen verantwortlich ist.

In einer Paarbeziehung treffen sich die inneren, verletzten und nach Liebe, Akzeptanz, Wertschätzung und Sicherheit suchenden Kinder. Doch die “Löcher der Kindheit“ kann der Partner nicht füllen. Unbewusst wird es allerdings verlangt. Unser Partner soll uns endlich glücklich machen, soll uns all die tiefen Sehnsüchte erfüllen. Er soll stets liebevoll und fürsorglich, immer da sein, und Sicherheit geben, für Harmonie sorgen, uns endlich verstehen, wertschätzen und dankbar sein. Schwups sind wir in der Opferrolle, wenn er das nicht macht. Sich selbst reflektieren, das eigene innere Kind, mit all seinen Verletzungen und Sehnsüchten erkennen, dadurch den Partner aus der Täter-Rolle entlassen, heißt wirklich Aufwachen!

Oft gehen noch Frauen voran. Sie ergründen, suchen nach Ursachen, reflektieren und versuchen Veränderung einzuleiten. Doch auch die Männer sind dadurch herausgefordert, denn die Beziehungen mit erwachenden Frauen können ungemütlich werden. Der alte Trott, die alten Rollen werden nicht mehr akzeptiert und damit kommt es zu vermehrten Auseinandersetzungen. Jetzt heißt es auch für den Partner aufwachen. Die alte Art der Beziehung, die wir von unseren Eltern gelernt haben ist überholt und macht auf Dauer nicht glücklich. Es braucht eine neue Art, eine in der unser Partner nicht mehr als Schuldiger angesehen wird, in der wir aus der Opferrolle rausgehen, in unsere Eigenverantwortlichkeit hinein.

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"Es ist leichter Probleme zu lösen, als mit ihnen zu leben."

Teilhard de Chardin